22. August 2019

BIM

Torben Wadlinger ist Inhaber des Büros graf + partner Architekten in Frankenthal mit zwei Angestellten und zwei freien Mitarbeitern
Torben Wadlinger ist Inhaber des Büros graf + partner Architekten in Frankenthal mit zwei Angestellten und zwei freien Mitarbeitern
Foto: Lisa Farkas, Lisa Farkas Fotografie, Frankfurt

Architekt Torben Wadlinger über die Vorteile vom Planen mit BIM.

Herr Wadlinger, seit Jahren nutzen Sie in Ihrem Architekturbüro in Frankenthal BIM. Wickeln Sie Ihre Projekte komplett in BIM ab oder nur Großprojekte?

Alle Projekte – unabhängig von der Größe. Bei Bestandsbauten versuchen wir den Bauherrn zu überzeugen, neben den vorliegenden Bestandsplänen auch ein örtliches Aufmaßmodell erstellen zu lassen, um Fehlerquellen zu vermeiden. Ganz gleich wie sich der Bauherr entscheidet, für uns modellieren wir in jedem Fall den Bestand als BIM-Modell!

Was ist in Ihren Augen das größte Hemmnis für die Kollegen, die noch nicht auf BIM umgestiegen sind?

Man muss sich auf die Software einlassen, ein neues Werkzeug erlernen und seine Arbeitsweise komplett umstellen. Das ist der wesentliche Hemmschuh. Der Planungsablauf ist ein völlig anderer. Ich muss sehr viel früher über Dinge nachdenken: Wie baue ich mein Modell auf? Wie will ich das Projekt strukturieren? Wie gehe ich mit Informationen um, die ich noch nicht habe? Es ist ein längerer Umstellungsprozess. Schließlich geht es bei BIM um weit mehr als nur um 3-D, was viele ja schon machen. Es geht um prozessuales Arbeiten, um Informations- und Datenmanagement. Und alle Mitarbeiter müssen gleich modellieren, damit gemeinsam an einem Modell gearbeitet werden kann. Kurz gesagt: Es ist ein großes Rad, das man da dreht.

Was ist der wichtigste Schritt, um sein Architekturbüro BIM-fit zu machen?

Das wichtigste Element in diesem Umstellungsprozess war für uns der rege Austausch mit BIM-erfahrenen Kollegen. Bei auftretenden Schwierigkeiten haben wir uns gegenseitig Tipps geben. So hat jeder von jedem gelernt.

Worin liegt gerade auch für kleinere Architekturbüros in Rheinland-Pfalz der Mehrwert einer Nutzung von BIM?

Das Arbeiten mit BIM ist sehr viel schneller, stringenter und effizienter: Alle Informationen sind in einem Modell gebündelt. Änderungswünsche kann ich mit dem Bauherrn direkt am Modell besprechen, etwa das Verschieben von Türen und Fenstern, und ihm unmittelbar die Auswirkungen demonstrieren. Fehlerquellen werden vermieden, Informationsverlust reduziert. Zudem ist es ein super Akquiseinstrument, denn die Bauherren bekommen das Modell mit nach Hause und können es sich jederzeit auf dem Smartphone oder Tablett anschauen und Freunden und Bekannten zeigen.

Im November startet in Landau wieder der dreitägige „Basiskurs BIM in der Architektur“, bei dem Sie als Referent tätig sind. Welche Inhalte werden im Rahmen des Lehrganges vermittelt?

Der Kurs gibt einen Überblick über alle wichtigen Themen rund um BIM – angefangen von internen und externen Ablaufprozessen, über IT – auch Open-Source-Programme, mit denen kleinere Architekturbüros kostengünstig ihr Büro BIM-fit machen können werden vorgestellt – bis hin zum Datenmanagement. Auch der kollegiale Austausch kommt nicht zu kurz!

Was empfehlen Sie Ihren Berufskollegen?

Mehr Mut und Eile! Während wir noch diskutieren, ob BIM überhaupt ein Entwurfswerkzeug ist, eilen uns die Kollegen im Ausland mit großen Schritten davon. Dort wird bereits überlegt, wie Werkzeuge zur effizienteren Planung genutzt werden können, beispielsweise um automatisch zu beschriften und bemaßen oder Grundrissvarianten zu entwickeln. Parametrische Planung und maschinelles Lernen sind nur einige der Zukunftsthemen. Entweder reiten wir auf der „digitalen“ Welle oder werden von ihr erschlagen!