16. April 2015

Architekturvermittlung

Birgit Brüggen hat drei Jahre das Zentrum Baukultur geleitet. Im Interview berichtet sie, welche Qulifikationen dafür notwendig sind und was sie an der Aufgabe interessierte.

Frau Brüggen, Sie haben bis zum 1. April das Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz geleitet. Was hat Sie als Architektin an dieser Aufgabe gereizt?
Die Vermittlung von Architektur und Baukultur ist eine spannende Aufgabe für Architekten. Ziel ist es, Gutes Bauen und Planen zu unterstützen, dafür zu werben und das Bewusstsein für qualitative Architektur zu stärken. Dies gilt für Anliegen der Denkmalpflege ebenso wie für die zeitgenössischen Leistungen der Architektur, Stadtplanung, Innen- und Landschaftsarchitektur. Das Verhältnis Experte zu Laie hat sich grundsätzlich gewandelt, quer durch alle Disziplinen. Die Kommunikation von Architektur ist ein Teil des Entstehungs- und Nutzungsprozesses von Architektur und damit Herausforderung und Chance zugleich.

Das Zentrum Baukultur ist Mitte 2012 in den Mainzer Brückenturm, einen Teil des Rathausensembles von Arne Jacobsen, gezogen und hat damit einen idealen, innerstädtischen Ort für die aktuelle Auseinandersetzung um Planen und Bauen gefunden. Die Aufgabe, diesen als Ausstellungsort, Forum und Diskussionsplattform für Fragen des Bauens sowie der gewerblichen, ökologischen und sozialen Stadtentwicklung in Mainz und darüber hinaus zu etablieren, hat mich als Architektin sehr gereizt.

Hätten Sie die Tätigkeit auch als Nicht-Architektin übernehmen können?
Für die Tätigkeit waren die fachlichen Qualifikationen als Architekt/in, alternativ Stadtplaner/in, Innen- oder Landschaftsarchitekt/in Voraussetzung. Meine Arbeit umfasste insbesondere die Entwicklung der Programmkonzeption mit Veranstaltungen rund um das Thema ,,Planen, Bauen und Wohnen“. In Zusammenarbeit mit der Landesinitiative ,,Dialog Baukultur“ und der Architektenkammer Rheinland-Pfalz wurde regionale Strukturentwicklung in Rheinland-Pfalz unter sozialen, städtebaulichen und energetischen Gesichtspunkten betrachtet. Neben Fachvorträgen, Gesprächsrunden und Ausstellungen bietet das Zentrum Baukultur Bauherren Informationsveranstaltungen und Beratungen zu Fragen der Planung, Finanzierung und Durchführung von Bauvorhaben an. Schwerpunkte dieser Angebote waren: barrierefreies Bauen und Modernisieren, innovative Wohnformen, Baugemeinschaften sowie Baugruppen und Genossenschaften.

Welche Fähigkeiten und Kenntnisse waren über die, im Architekturstudium vermittelten hinaus, für die Arbeit notwendig und wie haben Sie sich diese angeeignet?
Fachliche Kenntnisse waren außer im Bereich Architektur auch in den Bereichen PR und Netzwerkarbeit sowie im Veranstaltungsmanagement notwendig. Diese habe ich unter anderem im Rahmen meiner vorangegangenen Tätigkeit als stellvertretende Geschäftsführerin beim BDIA Bund Deutscher Innenarchitekten und in Fortbildungen erworben. Die Fähigkeit strukturiert zu arbeiten, Organisations- und Kommunikationsfähigkeit sollte man selbstverständlich ebenfalls mitbringen. Aber auch bei der Kommunikation war es hilfreich zu wissen, wie die eigene Berufsgruppe denkt und plant.

Sie haben die Leitung des Zentrums Baukultur zum 1. April aus privaten Gründen abgegeben. Werden Sie weiterhin in der Architekturvermittlung tätig sein?
Eine weitere Tätigkeit in der Architekturvermittlung reizt mich unbedingt und ich freue mich auf neue Aufgaben.