22. April 2020

Architektur- und Ingenieurbüros sichern Baubetrieb – große Zukunftssorgen

Umfrageergebnisse, Taschenrechner und Marker
Foto: Annette Müller, Mainz

Trotz Coronakrise sichern die Architektur- und Ingenieurbüros in Rheinland-Pfalz weiterhin die Durchführung von wichtigen Baumaßnahmen. Doch sie blicken mit Sorge in die Zukunft. Dies ergab eine Umfrage bei Architektur- und Ingenieurbüros aller Fachrichtungen, an der bundesweit mehr als 6.000 Architektur- und mehr als 3.200 Ingenieurbüros teilgenommen haben.

22. April 2020
02/2020

Umfrageergebnisse vorgestellt.

Vom 6. bis zum 14. April wurde die Blitzumfrage zur Lage der Büros unter dem Eindruck der Coronapandemie im Auftrag der Bundesarchitekten- und der Bundesingenieurkammer durchgeführt. Obwohl der Baustellenbetrieb soweit als irgend möglich weiter läuft, sind bereits jetzt vier von fünf Büros von den Auswirkungen der Pandemie betroffen, Dreiviertel rechnen in den kommenden drei Monaten mit weiteren, teils schweren wirtschaftlichen Einbußen. Abgesagte oder zurückgestellte Aufträge stellen das größte Problem dar (52%), Verzögerungen im Genehmigungsprozess durch unterbesetzte öffentliche Verwaltungen (41%) und Störungen auf der Baustelle (34%) zählen zu den am häufigsten genannten Problemen. In Rheinland-Pfalz schlagen Lieferverzögerungen mehr als in den übrigen Ländern zu Buche (40%). Insgesamt sind sehr kleine Büros, Büros mit vorwiegend gewerblichen Aufträgen und die Innenarchitektinnen und Innenarchitekten besonders betroffen. Von ihnen spüren bereits jetzt 92% negative Auswirkungen der Pandemie. Bei 53% haben sich diese Effekte bereits zu massiven wirtschaftlichen Folgen manifestiert.

"Der Bau ist traditionell ein wichtiger Wirtschaftsmotor. Es ist eine große, gemeinsame Leistung der planenden Büros und der ausführenden Firmen, dass Projekte trotz der Herausforderungen in der Coronakrise fertig gestellt werden können. Mit viel Engagement haben die Architektur- und Ingenieurbüros kurzfristig kreative Lösungen dafür gefunden. Wir sind stolz, unserer Verantwortung für die Bauherren gerecht zu werden", sagt Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Und er ergänzt "mindestens die kommenden zwölf Monate werden für die Büros allerdings hart. Obwohl wir im Moment manchmal am Limit arbeiten, steht der Auftragseinbruch aus der gewerblichen Wirtschaft und von privater Seite nicht vor, sondern in der Tür".

Umso wichtiger ist es daher für die Architekten- und die Ingenieurbüros Rheinland-Pfalz, dass die Bau- und Unterhaltsinvestitionen der Kommunen und des Landes nicht ins Stocken geraten: Neubau und Sanierung von Schulen, Kindergärten, Projekte der sozialen Wohnraumförderung, energetische Gebäudesanierungen und der Ausbau der analogen wie digitalen Infrastruktur müssen fortgeführt, verstetigt und, wo möglich, intensiviert werden. Nur so ist gewährleistet, dass der Bausektor zur Lokomotive einer hoffentlich bald wieder anspringenden Konjunktur werden kann, denn mit bundesweit rund 2,5 Millionen Erwerbstätigen ist die Wertschöpfungskette am Bau größer als die Autoindustrie.

"Die von Bund und Ländern zügig getroffenen Maßnahmen sind zweifelsohne lobenswert angesichts der Herkulesaufgabe, die binnen kürzester Zeit von unserem Staat zu bewältigen war. Fakt ist jedoch auch, dass nun Nachbesserungsbedarf besteht", sagt Dr. Horst Lenz, Präsident der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz. "Die Pandemie wird uns in diesem Jahr noch viel abverlangen, und wir müssen uns auch im Baugewerbe mittel- und langfristig auf völlig neue Rahmenbedingungen einstellen. Zukunftsängste dominieren derzeit den Markt. Gerade deshalb ist es wichtig, bereits heute an morgen zu denken und die Weichen zu stellen für die kommende Zeit," führt Lenz weiter aus.

Die Präsidenten der Architekten- und der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Gerold Reker und Dr. Horst Lenz fordern daher:

  • die Unterstützung der kommunalen Bauverwaltungen, damit Genehmigungsverfahren schnell durchgeführt werden können.
      
  • die sofortige Erprobung des digitalen Bauantrags durch Pilotkommunen.
      
  • die Anpassungen der Hilfspakete für die planenden Berufe und die Verlängerung der Hilfsmaßnahmen des Landes auch über den Sommer 2020 hinaus.
      
  • eine großzügige Bewilligung von Steuerstundungen und Absenkungen der Vorauszahlungen durch die Finanzbehörden über das 2. Quartal 2020 hinaus. Der Bundesgesetzgeber sollte großzügigere Verlustverrechnungsmöglichkeiten beschließen, so dass Verluste in diesem Krisenjahr mit Gewinnen aus Vorjahren verrechnet werden können.
      
  • eine Abfederung coronabedingter Finanzierungsprobleme privater Bauherren, damit sich Bauprojekte nicht verzögern oder verhindert werden.

  • weiterhin eine Ausrichtung der Sicherheits- und Hygienebestimmungen auf die Betriebsfähigkeit von Baustellen.
      
  • Auf Bundes- und Landesebene müssen Vergabeverfahren vereinfacht werden.
      
  • Umsetzung geeigneter digitale Abstimmungsformate für Wettbewerbs- und Partizipationsverfahren.

Wir stellen Ihnen gerne einen Interviewpartner zur Verfügung. 

   

Detaillierte Ergebnisse...

...der Befragung von Architekten aller Fachrichtungen und Stadtplaner finden Sie in der Anlage (PDF-Datei). MEHR   Die Umfrage unter den Planungsbüros in Deutschland soll in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

   

Die Pressemitteilung als PDF. MEHR

 

Weitere Informationen:

  • Architektenkammer Rheinland-Pfalz
    Annette Müller
    Postfach 1150 | 55001 Mainz
    Telefon 06131/99 60 22, Fax: -62
    E-Mail: mueller@akrp.de
    Internet: www.diearchitekten.org
     
  • Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz
    Irina Schäfer
    Rheinstraße 4 A, 55116 Mainz
    Telefon 06131/95 98 6-23, Fax: -33
    E-Mail: schaefer@ing-rlp.de
    Internet: www.ing-rlp.de

  

Die Architektenkammer Rheinland-Pfalz: Die Förderung der Baukultur, des Bauwesens, der Landschaftspflege und der städtebaulichen Entwicklung gehören zum gesetzlichen Auftrag der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Die Architektenkammer wurde 1950 als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet, ihr gehören alle Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner des Landes an, unabhängig davon, ob sie ihren Beruf freischaffend, angestellt oder beamtet ausüben. Um ihrem Auftrag, der Förderung der Baukultur des Landes, gerecht zu werden, ist es Ziel der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Architektur, Innenarchitektur, Städtebau und Landschaftsarchitektur durch Veranstaltungen, Ausstellungen, Preise und Publikationen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Zu den zentralen Veranstaltungen zählt beispielsweise der jährlich am letzten Juni-Wochenende stattfindende "Tag der Architektur". Gesetzliche Grundlage der Kammerarbeit ist das Architektengesetz Rheinland-Pfalz.

1993 hat die Architektenkammer Rheinland-Pfalz die "Stiftung Baukultur Rheinland-Pfalz" gegründet, die gemeinsam mit dem Ministerium der Finanzen und der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz sowie der Kammer selbst Trägerin des Zentrums Baukultur im Brückenturm in Mainz ist.

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