12. September 2016

96 sind 8 oder 2 – Fünf Jahre Kammerarbeit, ein Resümee

Mehrere Menschen versammelt aufgestellt vor einem Kloster
Der Vorstand bei einer Tagung im Kloster Hornbach: (v.l.o.n.r.u.) U. Knauth, Hauptgeschäftsführerin Dr. E. Wiezorek, Rechtanwalt V. Fett, Vizepräsident F. Böhme, Geschäftsführerin A. Müller, J. Holzemer-Thabor, Präsident G. Reker, H.-J. Ehrenberg, J. Hill, E. Kurz und G. Wolf . Beim Termin nicht dabei sein konnten Vizepräsident E. W. Eichler und H.-J. Stein. Foto: Architektenkammer Rheinland-Pfalz

Der Vorstand der Architektenkammer zieht ein Resümee seiner fünfjährigen Arbeit: Was waren die Ziele? Was wurde erreicht?

Mit der Neuwahl der Vertreterversammlung im November dieses Jahres geht eine Legislaturperiode zu Ende. 2011 hatte sie begonnen und wir hatten uns als frisch gewählter Vorstand einiges vorgenommen. Am Anfang stand ein offener Workshop. Vorstand und Geschäftsführung wollten die Situation umfassend analysieren, Neues entwickeln und einen Aufbruch gestalten. Wie zu erwarten, trugen wir viele Themen, Unterthemen und Einzelaspekte an einem produktiven Nachmittag zusammen, 96 insgesamt, viel zu viel, um die Arbeit bei allem Elan und allem Ehrgeiz zu kanalisieren. Aus den 96 ersten kristallisierten sich indessen schnell 8 operable Themenfelder heraus: der energetische und der demografische Wandel - besonders im ländlichen Raum -, das bezahlbare Wohnen, der öffentliche Raum, die Einbindung der angestellten und beamteten Kolleginnen und Kollegen, die Kammergruppenarbeit sowie Reformation und Architektur. Alles unterlegt mit einer Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit und eingeordnet in 2 Oberthemen: Das Zugehen auf die Gesellschaft und die gesellschaftliche Verankerung des Berufsstandes, was unseren wachen Blick auf gesellschaftlich relevante Themen und den Beitrag der Architektenschaft dazu voraussetzt. Und - als zweites Oberthema - Baukultur. Die „Baukultur“, das wird in der Rückschau klar, war der Türöffner für Vieles, was in den zurückliegenden knapp fünf Jahren gelang. Zunächst ging es darum, Baukultur als Thema im politischen ebenso wie im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verorten, die gesellschaftliche Relevanz und den Mehrwert von Baukultur zu vermitteln. Den Begriff „Baukultur“ verstehen wir dabei in einem umfassenden Sinne, nicht beschränkt auf das Design oder eine „schöne“ Fassade, sondern mit all seinen vielfältigen räumlichen, ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Aspekten. Aktuelle Themen wie Demografischer Wandel, Leerstand, Zuwanderung, Integration oder auch Generationengerechtigkeit und Inklusion können bei einer solchen Definition nicht ohne Baukultur gedacht werden.

Dass unser stetes Werben für und das Einfordern von Baukultur erste Früchte trägt, zeigen viele Einzelaspekte der täglichen Kammerarbeit. Erst im Klein und Groß der berufspolitischen Sacharbeit, bei Stellungnahmen zu Gesetzesnovellen, dem steten Werben um die Aufmerksamkeit mit Veranstaltungen und in der Medienarbeit, mit Gesprächen im politischen Raum wie auf allen Ebenen der Kammer von der BAK bis zu den Kammergruppen im Land, durch Haushaltskonsolidierung und Hochschularbeit oder Verbändegespräche kann schließlich Realität werden, was als großes Ziel zu Beginn formuliert wurde. Also lohnt ein Blick zurück vor der Frage, was schon erreicht wurde und wo wir noch auf dem Weg sind.

Auf Landesebene wäre da der Koalitionsvertrag zu erwähnen. Deutlich wie nie, sind hier unsere Themen verankert: „... Hinzu kommt unser Anspruch nach Ästhetik und Architektur. Deswegen verstehen wir es als unsere Aufgabe, die Baukultur im Land weiter zu fördern und die enge Zusammenarbeit mit den Architekten und dem Zentrum für Baukultur zu suchen...“. Aber auch darüber hinaus kann man schon jetzt feststellen, dass „Baukultur“ inzwischen zu einem häufig benutzten und deutlich positiv konnotierten Begriff geworden ist.

Berufspolitik

In den vergangenen Jahren wurde ein intensiver Kontakt zum Landeskabinett und zu den Fraktionen, zur Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, zu den Struktur- und Genehmigungsdirektionen, zu Landräten und zur Kommunalpolitik, zum Städtetag sowie zum Gemeinde- und Städtebund, zum Landkreistag und zur Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) aufgebaut. Insbesondere mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer und dem Finanz- und Bauministerium - zunächst Dr. Carsten Kühl, jetzt Doris Ahnen - hat sich ein guter, enger Austausch etabliert. Dieser spiegelt sich unter anderem in Kooperationen wie den Wettbewerben „Sozial - Schnell - Gut“ und „Mehr MITTE bitte!“ wider, um nur Weniges zu nennen. In das im Herbst 2015 gegründete Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen Rheinland-Pfalz brachte die Kammer sofort den Vorschlag zu einem Ideenwettbewerb für einen neuen, sozialen Wohnungsbau ein. Unter dem Titel „Sozial - Schnell -Gut“ wurde er ausgelobt und ist jetzt entschieden (mehr auf Seite 23).

Wohnen insgesamt, besonders das bezahlbare, war schon im Oktober 2012 für uns ein zentrales Thema. Bei den „Impulsen für den Wohnungsbau“, einem breit aufgestellten Bündnis, das nach beinahe anderthalb Jahrzehnten abnehmender Wohnungsbautätigkeit ein Umsteuern forderte, hat die Architektenkammer die Sprecherrolle übernommen. Zwei Positionspapiere auf der Höhe der Zeit haben wir mit angeschoben. Heute boomt der Wohnungsbau. Das statistische Landesamt verzeichnet 2015 Baumaßnahmen an 14.651 Wohnungen im Land. Beim Tiefstand 2009 waren das gerade 8.562,. Entsprechend verzeichnet der Berufsstand Umsatzzuwächse.

Erstmals 2013 hat die Architektenkammer gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft rheinland-pfälzischer Wohnungsunternehmen eine Sommerfachreise durchgeführt, auf der sich Finanz- und Bauminister Dr. Kühl sowie Vertreter aller Landtagsparteien, der Verwaltungsspitzen und Bürgermeister über die Herausforderungen, die der demografische Wandel an die Wohnungsbaupolitik stellt, informierten. Fragen der sozialen Wohnraumförderung und der Quartiersentwicklung sowie der Baukultur wurden erörtert. Aufgrund des Erfolgs gab es 2015 eine Neuauflage, diesmal mit der neuen Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen und Abgeordneten des Landtages, darunter die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner.

Mit dem Politischen Sommerfest hat die Kammer einen festen Termin zum Thema „Baukultur“ im politischen Kalender etabliert. Rund 300 Gäste aus Politik, Verwaltung, Medien sowie aus den Bau- und Wohnungsunternehmen nehmen jedes Jahr daran teil. Sie tauschen sich in entspannter Atmosphäre mit Architekten, Stadtplanern, Innen- und Landschaftsarchitekten aus. Das Sommerfest bietet allen Kammermitgliedern eine Plattform, um mit politischen Entscheidungsträgern ins Gespräch zu kommen und für die Interessen des Berufsstandes zu werben. Wie groß die Akzeptanz dieser Veranstaltung ist, zeigen die Gastrednerinnen wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen. Ein weiterer fest zu Jahresbeginn etablierter Termin ist der Jahresempfang der Kammern und der Wirtschaft mit Gastrednern wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissar Günther Oettinger. 2014 knüpfte Präsident Reker, der beim Empfang für die freien Berufe sprach, an eine Begegnung mit Oettinger in Brüssel an. Oettinger war damals noch für Energie zuständig und hatte auf die Notwendigkeit, berufspolitische Interessen gerade in Brüssel engagiert zu vertreten, hingewiesen. Neu dazu kam 2015 der Parlamentarische Abend „Kammern in Rheinland-Pfalz“, zu dem unter Federführung der Architektenkammer 17 Kammern des Landes einluden. Bereits im ersten Jahr fanden sich über 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft und den verkammerten Berufen ein. Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Vertreter der Landtagsfraktionen von SPD, CDU und Bündnis90/Die Grünen diskutierten mit Vertretern der Kammern über die Ursachen und Auswirkungen des Fachkräftemangels.

Neue Gesetze und Richtlinien

Am 1. August 2015 trat die novellierte Landesbauordnung (LBauO) in Kraft. In das Novellierungsverfahren hatte die Kammer Forderungen eingebracht: Die Wiedereinführung des öffentlich-rechtlichen Bauleiters wurde angeregt, eine flexiblere Stellplatzregelung sowie flexiblere Regelungen bei der Barrierefreiheit vorgeschlagen, der erweiterte Einsatz des Baustoffes Holz unterstützt und die Ansiedlung der unteren Bauaufsichtsbehörde bei den Landkreisen gefordert. Zum größten Teil wurden die Forderungen umgesetzt. Zeitgleich mit der Einführung der novellierten Landesbauordnung hat die Kammer im ganzen Land Seminare angeboten, in denen über die Änderungen informiert wurde.

Ein wichtiges, wenn nicht das zentrale berufspolitische Thema während der vergangenen fünf Jahre war die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). 2013 trat nach längeren Diskussionen eine Neufassung mit angepassten, höheren Honorarwerten in Kraft. Aufgrund eines Vertragsverletzungsverfahrens der EU-Kommission gewann die HOAI nur zwei Jahre später erneut an Aktualität und Brisanz: Nach Ansicht der Kommission ist die HOAI, insbesondere das verbindliche Preisrecht mit Mindesthonoraren, „marktverzerrend“ und „binnenmarktschädlich“. Die Architektenkammern aller Bundesländer sind gefordert, Argumente zu formulieren, eine gemeinsame Position zu beziehen und auf politischer wie öffentlicher Ebene nachdrücklich für die Rettung der HOAI einzutreten. Die Bundesregierung konnte von der Argumentation der Architekten überzeugt werden und unterstützt diese. Die EU-Kommission hat die Argumentation jedoch nicht akzeptiert und inzwischen die zweite Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens eingeleitet. Die Länderkammern bereiten sich gemeinsam mit der BAK und im engen Austausch mit der Bundesregierung intensiv auf das Verfahren vor dem EuGH vor. Dessen Ausgang ist derzeit ungewiss.

Anfang 2016 wurde das Architektengesetz gleich zweimal geändert. Zunächst mussten die Berufszugangsmöglichkeiten für EU-Bürger und Ausländer aus gleichgestellten Staaten aufgrund der Berufsanerkennungsrichtlinie der EU neu geregelt werden. Mit der zweiten Änderung wurde die Möglichkeit geschaffen, eine Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartGmbB) zu gründen. Ein wichtiges berufspolitisches Anliegen war damit umgesetzt.
Am 18. April dieses Jahres trat das modernisierte Vergaberecht in Kraft. Auch hier musste eine EU-Richtlinie umgesetzt werden. Die VOF und die VOL wurden durch die Vergabeverordnung (VgV) abgelöst. Für Architekten- und Ingenieurleistungen sind zwei Regelverfahren vorgesehen: das bekannte Verhandlungsverfahren und der neu eingeführte wettbewerbliche Dialog. Mit dem neuen Vergaberecht können auch strategische Ziele (z.B. ökologische und soziale) berücksichtigt werden. Die „Förderung der Baukultur“ ist in die Grundsätze für Planungswettbewerbe neu aufgenommen worden. Die Architektenschaft konnte eine zunächst vorgesehene problematische Auftragswertermittlung verhindern. Eine verbindliche Einführung des Planungswettbewerbs ließ sich nicht durchsetzen. Der Marktzugang für kleine und mittelgroße Büros hat sich ebenfalls nicht grundlegend verbessert. Allerdings müssen die geforderten Eignungskriterien entsprechend der Bauaufgabe „angemessen“ sein.

Aktuell liegt ein Entwurf des Bundesjustizministeriums für ein eigenständiges Bauvertragsrecht als Ergänzung zu den werkvertraglichen Regelungen im BGB vor. Dieses sieht zwar nicht die Abschaffung der gesamtschuldnerischen Haftung vor. Jedoch ist geplant, dass Bauherren, bevor sie den Architekten auf Schadenersatz in Anspruch nehmen können, vom Unternehmer erfolglos eine Nachbesserung verlangt haben müssen. Darüber hinaus sieht das Gesetz Verbesserungen bei der Abgrenzung zwischen kostenloser Akquise und vergütungspflichtiger Planung vor. Das Landeswohnraumförderungsgesetz (LWoFG) ist am 1. Januar 2014 in Kraft getreten. Auch hier wurden Forderungen der Kammer aufgenommen: die Zielsetzungen der sozialen Wohnraumförderung wurde um den Aspekt der Baukultur erweitert, als zusätzliche Fördergegenstände sind nun auch städtebauliche Wettbewerbe, als zentrales Instrument der Qualitätssteigerung förderfähig. 

Herausforderung ländlicher Raum

Fünf Architektenwettbewerbe unter dem Motto „Mehr MITTE bitte!“ nahmen sich innerhalb eines Jahres der Herausforderung leerfallender Ortskerne unter dem Aspekt des Wohnens an. Auf Anregung und in Abstimmung mit der Kammer wurden sie 2014 vom Gemeinde- und Städtebund und dem Land ausgelobt.
Zusammen mit dem Eifelkreis Bitburg-Prüm hat die Architektenkammer Ende 2011 die gemeinsame „Initiative Baukultur Eifel“ gestartet. Regelmäßig werden in den Kreisnachrichten gelungene Bauprojekte vorgestellt, zeitgenössisches und regionaltypisches Bauen wird zum Thema. Neu initiiert wurde auch der vom Landkreis und der Architektenkammer ausgelobte Baukulturpreis Eifel. Zum ersten Mal wurde er 2013 vergeben, der zweite folgte 2015, im Jahr dazwischen wurde ein Bürgerfotowettbewerb ausgelobt. Die Initiative Baukultur Eifel war auch Anstoß für das Projekt „Wir sind Heimat“, das seitens der Stiftung Baukultur Rheinland-Pfalz mit Unterstützung der Kammer und finanzieller Förderung des Landes seit Juni 2015 etwa monatlich in Kreis- und Amtsblättern zwischen Hachenburg und Hauenstein erscheint. Ein externes Autorenteam stellt hier die Menschen hinter den Gebäuden in den Mittelpunkt.

Immer stärker wird nach und nach auch die bundesweite Wahrnehmung der Kammer. So wurde Rheinland-Pfalz zusammen mit den Kammern Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen für „Regionale Baukultur - Identität und Qualität“, eine Veranstaltungsreihe des Bundesministeriums, ausgewählt. Ihr Ziel war es, jeweils den Dialog zwischen Kommunen, Planern, Nutzern und Politik auf regionaler Ebene zu strukturieren und zu intensivieren. Es ging um die Zusammenhänge zwischen regionaler Baukultur, Standortattraktivität und wirtschaftlicher Entwicklung. Unser Beitrag in Bitburg fragte unter dem Titel „Regionale Baukultur - Idylle oder Statement?“ danach, wie regionale Baukultur ins Heute übertragen werden kann. Um die Bauqualität auch in kleineren Kommunen zu steigern, wurde das Konzept für einen Mobilen Gestaltungsbeirat erarbeitet. Dieses sieht eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Innenministerium und Architektenkammer vor. Der Gestaltungsbeirat soll eine beratende Aufgabe übernehmen und die vorgelegten Bauvorhaben im Hinblick auf ihre städtebaulichen, architektonischen und gestalterischen Qualitäten prüfen und beurteilen, er befindet sich derzeit in der Pilotphase. 

Analog zur erfolgreichen Kooperation „Wein + Architektur“ wurde zusammen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband und mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums die Kooperation „Tourismus + Architektur“ initiiert. Hervorragende Architektur gilt vielen Gästen heute als Indiz der erwarteten Gastkultur, für manchen ist sie sogar das eigentliche Reiseziel. Dieser Trend ist in Rheinland-Pfalz bisher jedoch erst zögerlich angekommen, obwohl Schätzungen in den kommenden Jahren von Investitionsbedarf in bis zu 60 Prozent der Betriebe ausgehen. „Tourismus + Architektur“ möchte im neu geschaffenen Nationalpark Hunsrück-Hochwald wie in den übrigen touristischen Zielgebieten mehr Bewusstsein schaffen. Zur ersten gemeinsamen Fachtagung „Neue Tische - neue Betten“ am 5. Mai 2015 kamen rund 150 Architekten, Gastronomen, Hoteliers und Touristiker. Diskutiert wurden die Chancen, die Baukultur dem Tourismus bietet. Anhand von drei Praxisbeispielen wurden konkrete Erfolgsstrategien vorgestellt.

Kammergruppen

Erstmals wurde 2013 ein Sonderbudget zur Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit in den Kammergruppen ausgeschrieben. Ziel war es, damit außergewöhnliche Projekte und Initiativen der Kammergruppen zu fördern. Realisiert werden konnten auf diese Weise bereits einige Aktionen: in Koblenz fanden ein Architektentag und eine Pecha Kucha-Nacht statt, Trier startete die Initiative Baukultur Trier, in Pirmasens folgten auf die „Planbar11“ eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der lothringischen Architektenkammer unter dem Titel „Baukultur grenzenlos“ und 2016 „Baukultur von der Rolle“ - und natürlich wurde das Engagement und die Präsenz der südpfälzischen Kammergruppe auf der Landesgartenschau in Landau unterstützt. Auf Initiative des Teams der Kammergruppe 6 wurde zudem die Broschüre „Mehr Baukultur - Regionale Baukultur in den Landkreisen Bernkastel-Wittlich, Eifelkreis Bitburg-Prüm, Vulkaneifel“ erstellt, die die Baukulturinitiativen in den genannten Landkreisen dokumentiert. Die Dokumentation liegt in den Bauabteilungen aus. 

Angestellte und Beamte

Kontinuierlich hat sich die Mitgliederstruktur verändert: Waren bis in die 1990er Jahre Kammermitglieder überwiegend selbstständig tätig, sind inzwischen rund 50 Prozent der Architekten, Stadtplaner, Innen- und Landschaftsarchitekten angestellt oder beamtet. Zur intensiveren Berücksichtigung ihrer spezifischen Belange wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Ihr Ziel ist es, in der kommenden Legislaturperiode mehr Angestellte und Beamte für die Vertreterversammlung zu begeistern, um dort ihre Anliegen in die Kammerarbeit einzubringen, da die Ziele des Berufsstandes nur in solidarischer Zusammenarbeit aller Kolleginnen und Kollegen zu erreichen sind. In einer Strukturumfrage wurden 2015 bereits die Angestellten und Beamten über ihre beruflichen Rahmenbedingungen befragt. Die Ergebnisse können in den Ausgaben November 2015 bis Februar 2016 im Regionalteil des Deutschen Architektenblattes nachgelesen werden. Dort wurde auch eine ständige Rubik eingerichtet. Bei den „Ortsgesprächen“ berichten Angestellte und Beamte über ihre Arbeit in Planungsbüros, Unternehmen, der Bauverwaltung und der Denkmalpflege gemeinsam mit freischaffenden Kollegen anhand eines Objektes. Immer geht es um ein Denkmal und seine Sanierung oder Erweiterung. Der Ort wird zunächst besichtigt, anschließend kommen die Architekten der unterschiedlichen Tätigkeitsarten, Denkmalpfleger, Bauherren und Nutzer in einer moderierten Gesprächsrunde zu Wort. In Landau findet am 30. September das fünfte Ortsgespräch statt (Mehr auf Seite 24).

Energie

Sehr früh hat die Architektenkammer bereits darauf hingewiesen, dass die bisher erzielten CO2-Einsparungen zu gering sind, um die EU-Vorgaben zur Energieeinsparung für das Jahr 2050 zu erreichen. Die durch Effizienzsteigerungen erzielten Einsparungen frisst der Reboundeffekt auf. Der Vorstand tritt daher seit Jahren für Suffizienz als Maßstab ein, etwa indem nicht der Energieverbrauch pro Fläche, sondern der Energieverbrauch pro Person betrachtet wird. Letztendlich führt nur die Kombination aus Effizienz, Konsistenz und Suffizienz zu Nachhaltigkeit. Um diesen Paradigmenwechsel der Politik und den Bürgern näherzubringen, wurde 2014 das Positionspapier „Energiewende und Architektur“ erarbeitet und im Oktober 2014 Ministerpräsidentin Malu Dreyer und den Fraktionsvorsitzenden der CDU, SPD und dem Bündnis90/Die Grünen übergeben. 

Denkmal

Neu initiiert wurden in Kooperation mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz - GDKE - auch das Veranstaltungsformat „Hambacher Architekturgespräche“ an der Nahtstelle zwischen zeitgenössischer Architektur und Denkmalpflege. Sie führen Theorie und Praxis zusammen und bieten eine gemeinsame Diskussionsplattform für Denkmalpfleger und Architektenschaft. Nach kurzen Impulsbeiträgen steht das moderierte Gespräch im Mittelpunkt. Auf die Eröffnungsveranstaltung 2014, deren Diskussion unter dem Motto „Zukunft des baukulturellen Erbes und das baukulturelle Erbe der Zukunft“ stand, folgten inzwischen zwei weitere Gespräche zu den Themen „Nachkriegsmoderne - ungeliebt und unterschätzt?“ und „Einfühlen - Einfügen - Ertüchtigen, Städtebauliche Denkmalpflege“. Daraus resultierend kam eine viel beachtete Veranstaltung vom 26. bis 28. November 2015 nach Mainz: Weiterbauen / 50 Jahre ICOMOS. Der Architektenkammer war es zusammen mit der GDKE gelungen, die Tagung ins Rathaus nach Mainz zu holen. Die Erhaltung beispielhafter Bauten der Nachkriegsmoderne - und damit auch des vom Abriss bedrohten Mainzer Rathauses von Arne Jacobsen - standen an diesen drei Tagen im Fokus der Fachöffentlichkeit. Rund 300 Wissenschaftler, Denkmalpfleger, Architekten und Studierende besuchten die Tagung.

Reformation + Architektur

Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums von Luthers Thesenanschlag findet noch bis 2017 die Lutherdekade statt. Die Architektenkammer beteiligte sich früh daran mit der vierteiligen, interdisziplinären Veranstaltungsreihe „Reformation + Architektur“. Sie sollte explizit den Blick über den Tellerrand wagen. Thematisiert wurde darin erstmals der Einfluss reformatorischen Gedankengutes auf Architektur und Stadtgestalt. Die Veranstaltungen in Mainz, Bad Kreuznach, Neustadt und Worms zu den Themen: „Wort und Raum“, „Heilender Raum“, Bildender Raum“ und „Öffentlicher Raum“ wurden in einer 130-seitigen Broschüre dokumentiert. Gefördert wurde die Veranstaltungsreihe von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Land Rheinland-Pfalz.

AIP / Hochschulen

Die Unterstützung für Absolventen in der Praxis wurde weiter ausgebaut. Neben einem breiten Angebot von Seminaren wurde auch die Zusammenarbeit mit den Hochschulen intensiviert. Erstmals fand im Januar eine gemeinsame Diskussionsveranstaltung der Architekturfachbereiche aller rheinland-pfälzischen Hochschulen sowie der Universität Kaiserslautern und der Architektenkammer statt. Dozenten und Studierende diskutierten mit den hochschulpolitischen Sprechern der Parteien über die Zukunft der Architekturausbildung und die Defizite der Gegenwart. Insbesondere die personelle Ausstattung und die Arbeitsplatzsituation an den Hochschulen standen im Mittelpunkt der Debatte. Zwei international renommierte Referenten hatten zuvor mit Impulsvorträgen in die Problematik eingeführt und internationale Beispiele vorgestellt. Unter dem Titel „Vom Abschluss zum kammer-start“ bietet die Kammer bereits seit einigen Jahren Blockseminare an den Hochschulen an. Darüber hinaus wurde das erfolgreiche Format „kammer-start.de“, das Absolventen einmal im Jahr in der Landesgeschäftsstelle über alle Fragen des Berufseinstiegs informiert und Tipps zur Selbstständigkeit gibt, fortgesetzt.

Zentrum Baukultur

Das Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz (ZB) bezog 2012 den zentral gelegenen Brückenturm in Mainz. In vier Jahren haben bereits mehr als 200 Veranstaltungen im Brückenturm stattgefunden - Ausstellungen, Vorträge, Gespräche und Workshops zu aktuellen baukulturellen Themen, aber auch beispielsweise das 60-jährige Jubiläum des BDA Rheinland-Pfalz. Damit ist das Zentrum Baukultur zwischenzeitlich zu einer bundesweit be- und geachteten Anlaufstelle für Baukulturfragen in Rheinland-Pfalz geworden. Mit dem Format „Zentrum Baukultur unterwegs“ ist das ZB im ganzen Land aktiv. Trägerin des Zentrums Baukultur ist die Stiftung Baukultur zusammen mit der Architektenkammer, dem Ministerium der Finanzen und - neu hinzugekommen seit dem Einzug in den Brückenturm - mit der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB). Ebenfalls hinzu gewonnen wurden die Kooperationspartner: VHV Versicherungen, BetonMarketing, AS Architekten-Service GmbH und Graphisoft-Center Rhein-Main, die das Zentrum Baukultur regelmäßig auch für eigene Veranstaltungen nutzen.

Am Ziel?

Wir hatten uns mit dem Start in die nun auslaufende Wahlperiode viel vorgenommen. Das vorliegende Resümee kann nicht jedes Detail beleuchten, macht in den großen Linien aber deutlich, dass wir - bei aller gebotenen Demut gegenüber dem Rückenwind glücklicher Umstände, breiter aktueller Unterstützung und einem soliden Fundament aus den vergangenen Jahrzehnten der Kammerarbeit - Erfolge verbuchen dürfen: Baukultur als Thema ist breit verankert, die rheinland-pfälzische Kammer wird im Land und auf Bundesebene als Gesprächspartnerin wahr und ernst genommen. Erreicht wurde das durch zupackende Teamarbeit von Vorstand, Vertreterversammlung, Geschäftsführung und Landesgeschäftsstelle. Unterm Strich ist Einiges angestoßen worden. Es gab deutliche Fortschritte. Wir hoffen, in die richtige Richtung.

Der Vorstand