23. April 2020

25 Jahre Tag der Architektur

Seit 2002 woche der baukultur: Mit einem Rahmenprogramm wie geführten Bustouren begleiten die Teams der Kammergruppen den Tag der Architektur.
Seit 2002 woche der baukultur: Mit einem Rahmenprogramm wie geführten Bustouren begleiten die Teams der Kammergruppen den Tag der Architektur.
© Kristina Schäfer, Mainz

... eine Erfolgsgeschichte

Skeptiker gaben 1995 dem "Tag der Architektur" keine lange Lebensdauer. Die Befürchtung, das Format könne schnell an Attraktivität verlieren, bestätigte sich glücklicherweise nicht. Im Gegenteil: die mediale Aufmerksamkeit steigerte sich von Jahr zu Jahr und damit auch die Besucherzahlen. Heute ist der Tag der Architektur das bundesweit größte Baukulturevent und nicht mehr wegzudenken aus der Öffentlichkeitsarbeit der Kammern.

Doch zuerst einmal zurück auf Anfang: Rheinland-Pfalz gehörte mit Hessen, dem Saarland und Thüringen zu den Pionieren und führte den ersten Tag der Architektur bereits 1995 durch. Vorbild war der "Tag des offenen Denkmals", der 1993 an den Start gegangen war. Nach und nach kamen die anderen Bundesländer dazu und schon 2001 konnte man sich auf einen einheitlichen Termin- das letzte Juniwochenende - verständigen.

"Raum erleben!" war 2005 das erste bundesweite Motto, das seitdem jedes Jahr zur Unterstützung der Pressearbeit gefunden wird. Fünfzehn Jahre später lautet das Motto "Ressource Architektur" - brandaktuell also und die Wertigkeit, Nachhaltigkeit und Bedeutung der gebauten Umwelt unterstreichend. "Der Neubau macht in Deutschland jährlich nur rund ein Prozent des Bauens aus; im Mittelpunkt stehen für uns meist die Pflege und der Erhalt des Gebäudebestands", sagt Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, in ihrem Grußwort zum diesjährigen Tag der Architektur. Im intelligenten, nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Vorhandenen läge eine große Chance, aber auch eine Verpflichtung, so Bohle. Die bestehende Bausubstanz speichere unzählige Potenziale und Energien - neben Materieberge sie auch Wissen, Geschichte, Gestaltung und Kultur. Auch in Rheinland-Pfalz sind in jedem Jahr gut die Hälfte der Projekte aus dem Bereich Bauen im Bestand.

Der Tag der Architektur lebt vom Engagement der Architektenschaft, die mit ihren Bauherren bereit ist, ein Wochenende lang das gemeinsame Projekt vorzustellen. Besonders den Bauherren ist die Gastfreundschaft und zuweilen die bewundernswerte Geduld angesichts einiger hundert Besucher herzlich zu danken. Sie tragen aktiv dazu bei, dass die Fachkompetenz des Berufsstandes in die Öffentlichkeit getragen wird. Sie zeigen, wie Bauherren mit ihren Architektinnen und Architekten konstruktiv zusammenarbeiten und dabei maßgeschneiderte Lösungen finden. Auf die Frage "Würden Sie sich wieder beteiligen?" antworten die allermeisten Architektinnen und Architekten mit einem Ja. Auch sind sie davon überzeugt, dass die Menschen aus ihrem Besuch beim "Tag der Architektur" ein durchweg positives Fazit ziehen. Unter dem Strich sind es in jedem Jahr um die 13.000 Besucher, die hier mit dem Berufsstand unkompliziert ins Gespräch kommen. Nicht selten werden beim Tag der Architektur Kontakte geknüpft, die zu weiteren Aufträgen führen.

Gerade im Jubiläumsjahr trifft die Coronakrise auch den Tag der Architektur. Besuche auch privater Häuser, wie sie das niederschwellige Veranstaltungskonzept für gewöhnlich ermöglicht, wird es in diesem Jahr nicht geben.

Die Vorstände der Länderkammern machen es sich nicht leicht, alternative Optionen zu finden, die für alle Beteiligten zu bewältigen und gleichzeitig attraktiv sind. Soviel ist sicher: das Booklet wird es auch 2020 geben! Wie eine kleine Bibliothek aus Mini-Architekturführern dokumentiert es seit fünfundzwanzig Jahren im durchgängigen Layout aktuelles und beispielhaftes Bauen in Rheinland-Pfalz. Gerade 2020 soll hier keine Lücke entstehen. Vielleicht wird der Tag der Architektur einen virtuellen Charakter haben. An einer umfänglichen Veröffentlichung der 58 ausgewählten Projekte auf der Internetseite der Architektenkammer wird derzeit gefeilt. Und im nächsten Jahr ist wieder Tag der Architektur, so viel steht fest.