Dienstleistungsexport oder Export von Experten?
Rheinland-Pfalz, das wurde am 29. Juni 2006 im ZDF-Konferenzzentrum klar, profitiert wie kaum ein anderes Bundesland von offenen Weltmärkten. Mit einer Exportquote von 47 Prozent nimmt es den ersten Platz bei den bundesdeutschen Flächenländern ein. Allerdings - und hier folgte beim „Forum Außenwirtschaft“ gleich die Einschränkung - betrifft dies alleine den Warenexport. Der Export im Zukunftssegment „Dienstleistung“ steht dem gegenüber noch weit zurück. Ins ZDF eingeladen hatten das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, die ISB und andere, darunter auch der Architektenkammer Rheinland-Pfalz.
In der Europäischen Union machen Dienstleistungen, zu denen auch die Planungsleistungen der Architekten und Ingenieure zählen, rund 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Beim Weltinlandsprodukt sind es ebenfalls 70 Prozent. Der Anteil der Dienstleistungen am Welthandelsprodukt beträgt aber nur 20 Prozent, Rheinland-Pfalz wie die Bundesrepublik insgesamt liegen auch hier im Schnitt und damit deutlich unter den im Dienstleistungsexport führenden Nationen USA und Großbritannien.
Impressionen vom "Forum Außenwirtschaft 2006", das in diesem Jahr den Export von Dienstleistungen ins Blickfeld rückte.
Fotos: Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, Mainz (Piel Media, Boppard).
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Um weiterhin konkurrenzfähig zu sein, so die Referenten des „Forums Außenwirtschaft“ übereinstimmend, muss gerade der Export von Dienstleistungen intensiviert werden. Während dies bei industrienahen Serviceleistungen relativ leicht gelingt - ein Großteil der Wertschöpfung beispielsweise beim Maschinen- und Anlagenbau wird nicht mehr über das eigentliche Produkt, sondern über den Export der zugehörigen Dienstleistungen erwirtschaftet - sind andere Dienstleistungen, darunter auch bei den freien Berufe, wesentlich weniger leicht exportierbar. Wie Planungs- und Beratungsleistungen dennoch erfolgreich exportiert werden können, zeigten die Architekten Folker Fiebiger, Kaiserslautern, und Jörg Krämer, Architekturbüro Planquadrat, Darmstadt, mit ihren Beiträgen. Dr. Thomas Welter berichtete für das Netzwerk Architekturexport der Bundesarchitektenkammer aus den Erfahrungen der letzten Jahre, dass derzeit nur 5 bis 10 Prozent der deutschen Architekturbüros die Chance, ins Ausland zu gehen, nutzen. Nicht selten finden sie den Einstieg dazu über Bauherren, die ihrerseits international arbeiten und deshalb beispielsweise Teile ihrer Betriebsstätten in die Zielländer auslagern. Weitere 5 bis 10 Prozent, so die Schätzungen von NAX, hätten das Potenzial, ins Ausland zu gehen.
Damit wurde klar, dass der Export von Architektenleistungen ein erfolgversprechender Weg für deutsche Büros sein kann, aber nicht sein muss. Ein Allheilmittel für den überbesetzten deutschen Markt ist er keinesfalls. Übereinstimmend haben alle referierenden Architektur- und Ingenieurbüros von Erfolgen und Schwierigkeiten bishin zu Anfangsverlusten berichtet. Neue Märkte müssen, so das Fazit, sorgfältig und teilweise mit langem Atem erschlossen werden. Ganz wesentlich sind die gründliche Vorbereitung und eine klare Vorstellung davon, wo die Vorteile der eigenen Planungsleistung für den ausländischen - oder den seinerseits international arbeitenden inländischen - Bauherren liegen.
Nicht vergessen werden sollte auch die Möglichkeit, die eigene Planungsleistung nicht vom Inland aus zu exportieren, sondern gleich ins Ausland zu gehen. Für viele Absolventen haben sich hier Einstiegschancen eröffnet, von denen sie im Inland derzeit nur träumen können. In lockerer Folge werden wir in den kommenden Ausgaben des DAB von Beispielen für beides berichten.
Die Vorträge des Forums Außenwirtschaft sind im Internet unter www.forum-aussenwirtschaft.de dokumentiert. Mehr...