Gestaltungspreis Rhein-Hunsrück-Kreis
Der Rhein-Hunsrück-Kreis hat zusammen mit der Architektenkammer einen Architektur- und Städtebaupreis für Bauherren zum Thema „Bauen im Bestand“ ausgelobt. Die Prämierung erfolgte zum zweiten Mal, getrennt für Baumaßnahmen für die Bereiche: private Bauvorhaben, gewerbliche Bauvorhaben und kommunale Bauvorhaben.
Mit dem Preis sollen Baumaßnahmen innerhalb der Ortslage gewürdigt werden und auf die Bedeutung von Gebäudeum- und Leerstandsnutzungen, die Sanierung alter Bausubstanz sowie die Schließung von innerörtlichen Baulücken mit proportional angepasster Alltagsarchitektur, die wesentlich zur Belebung der Dörfer und Städte beitragen, hingewiesen werden.
Mitglieder der Jury waren neben Landrat Bertram Fleck, Hans-Josef Bracht als Vertreter des Kreisausschusses und Frank-Michael Uhle für die Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück die Architekten Klaus Thomas und Gerlinde Wolf als Vertreter der Architektenkammer. Unter den 25 eingereichten Bewerbungen vergab das Preisgericht acht Preise.
Die Preisträger bei der Verleihung in Simmern.
Foto: Annette Müller, Mainz
Private Bauvorhaben
Sanierung/Revitalisierung eines historischen Wohnhauses, Hirzenach
Bauherren: Eheleute Dorothea und Volkhard Löhrl, Hirzenach
jäckel architekten, Oberwesel
Das turmartige Gebäude mit späterer Erweiterung wurde einer neuen Nutzung als Wohnhaus zugeführt. Der Umgang geschah mit Rücksicht auf den Charakter des alten Hauses jedoch mit einer zeitgemäßen Architektursprache, lobte die Jury. Störende und unproportionierte spätere Eingriffe seien korrigiert, das Gebäude entkernt und die Öffnungen der Fassade entsprechend ihrer ursprünglichen Größe wieder hergestellt worden. Alle Elemente seien hinsichtlich einer harmonischen Gesamterscheinung hinterfragt und teilweise neu interpretiert worden. Bewusst seien ortstypische, zum Teil gebrauchte Materialien eingesetzt worden. Die ehemaligen, inzwischen völlig verbuschten Weinbergs- und Gartenterrassen auf dem Grundstück wurden in mühsamer Handarbeit aufwendig saniert. Die Jury würdigte mit der Verleihung des Preises den Mut und das Engagement der Bauherren.
Umbau, Sanierung eines Wohnhauses Kastellaun
Bauherr: Bernd König, Kastellaun
KÖNIG Architektur, Kastellaun
Das Fachwerkhaus wurde bis auf die Konstruktion entkernt, saniert und wieder hergestellt. Die Fassaden mit Sichtfachwerk wurden innenseitig gedämmt, die Dachflächen mit Naturschiefer eingedeckt und die Fenster als Holzfenster leider mit Standardprofilen ausgeführt, wie die Jury anmerkte. Das Nebengebäude sei im Inneren ebenfalls komplett saniert und trocken gelegt worden. Eine neue Hofüberbauung diene neben der Sicherung der Burgmauer im Untergeschoss als Garage, die Natursteinfassade aus Tonschiefer sowie Naturstein- und Ziegelmauerwerk gebe die Strukturen der alten Burgmauer wieder. Die Jury würdigte mit der Verleihung des Preises das große Engagement des Bauherrn für die Erhaltung der Kernstadt, der Sanierung und Bebauung des Burgbergs.
Dachausbau eines Wohnhauses aus den 50er Jahren, Kastellaun
Bauherren: Janin + Ralf Schmaus, Kastellaun
Architekten Wendling Plus, Architekt Mathias Wendling
Im ehemals nicht ausgebauten Dachgeschoss entstand ein heller, offener Schlaf- und Badbereich. Außer einer Öffnung des Westgiebels wurden großzügige Dachflächenfenster eingefügt. Sie schaffen eindrucksvolle Ausblicke auf die umliegende Stadt mit Burganlage. Die Jury vergab den Preis für den gelungenen, eindrucksvoll gestalteten Dachraum.
Gewerbliche Bauvorhaben
Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses, Sohren
Bauherrin: Hildegard Kaefer, Sohren
Architekt Nikolaus Elz, Sohren
Die moderne und zeitgemäße Architektur zeige deutlich die Funktionsbereiche Wohnen und Geschäft, nehme aber in der Formensprache die Proportionen und Strukturen der umgebenden Bebauung auf, so die Jury. Die entlang zweier Grundstücksgrenzen geführten Terrassen im Obergeschoss gliederten das Gebäude vertikal und horizontal. Ein Teil der geschwungenen Terrasse biete einen geschützten Zugang zum Porzellanhaus und markiere zugleich einen Orientierungspunkt an der Straßenecke. Besonders lobend erwähnte die Jury das Engagement der Bauherrin. Sie habe nicht nur ein neues Wohn- und Geschäftshaus für sich, sondern zum Wohle des Ortes bauen wollen.
Anbau eines Restaurants im Rahmen der Umnutzung einer Schule zum Hotel „My Place“, Lautzenhausen
Bauherren: Tina und Michael Kurz-Willwerth, Lautzenhausen
Architekt Nikolaus Elz, Sohren
Das Gebäude der ehemaligen Dorfschule wurde zu einem 4-Sterne-Hotel umgebaut. Dass hierfür kein neuer Komplex auf die Grüne Wiese gestellt wurde, lobte die Jury. Der Preis wurde für den An- und Einbau des Restaurants vergeben. Die großzügige Glasfassade verbinde Eingang und Foyer des Hotels, die Außenterrasse und den Innenraum des Restaurants. Der Innenraum biete geschützte, vom Foyer nicht einsehbare Sitzbereiche und die Fenster des alten Schulgebäudes, ohne Rahmen und Glas, ließen den Altbau erahnen. Insgesamt sei ein harmonisches Miteinander der alten und neuen Elemente entstanden. Mit dem Preis würdigte die Jury das Engagement der Besitzer, die mit dem Restaurant die Infrastruktur des Ortes erhielten und erweiterten.
Kommunale Bauvorhaben
Neubau Rheinfelshalle St. Goar, Stadthalle und Turnhalle
Bauherr: Stadt St. Goar
jäckel architekten, Oberwesel
Das Gebäude steht an einer städtebaulich exponierten Stelle am Stadteingang. Die Drehung der Halle um 90 Grad, parallel zur Einfahrtsstraße schaffe dort einen geschlossenen Rücken zur Bahnlinie und ein transparentes mehrgeschossiges Foyer zur Straße, urteilte die Jury. Das Herausdrehen des Foyers stehe in interessantem Kontext zur Heerstraße, die in die Innenstadt führt. Die Aufständerung sowie das Zurücksetzen des Eingangs erzeugten trotz des beengten Grundstücks eine großzügige Vorzone. Der Innenraum sei klar gegliedert. Die eigentliche Halle sei trotz ihrer Geschlossenheit zur Bahn durch gute Tageslichtführung, Lichtband und Oberlicht, am Tag angenehm ausgeleuchtet, urteilte die Jury.
Sanierung und Umbau des Gemeindezentrums Rheinböllen
Bauherr: Stadt Rheinböllen
Architekt Klaus Thomas, Rheinböllen
Das ehemalige Schulgebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert sei ein Ortsbild prägendes gutes Beispiel regionalen Bauens seiner Zeit, äußerte die Jury. Die aktuelle Baumaßnahme sei eine behutsame Sanierung unter weitestgehender Beibehaltung der Originalsubstanz und des ursprünglichen Erscheinungsbildes. Die Grundrisskonzeption sei in großen Teilen beibehalten worden und der Einbau moderner Haustechnik, brandschutztechnischer Maßnahmen, ein barrierefreier Zugang sowie die erforderlichen energetischen Einsparmaßnahmen ließen den Charakter und die Stilelemente des Gebäudes unangetastet, hob die Jury hervor. Die Farbgebung im Inneren wie im Äußeren rundeten das Erscheinungsbild ab.
Umbau des Kreissparkassengebäudes zur Stadthalle Boppard
Bauherr: Stadt Boppard
Architekt Rainer Pörsch + Planungsgruppe 4, Boppard
Die Lage der Stadthalle im Kern der Innenstadt, an einem zentralen Platz, wertete die Jury positiv, auch die erlebbare Reihenfolge von öffentlichem Platz, Foyer und Veranstaltungssaal sei schlüssig. Der Saal mit seinem Lichteinfall von oben habe ein diffuses, angenehmes Tageslicht. Die organische Form der Decken und die Ornamentik an den Wänden unterstützten den Raumeindruck und erzeugten eine akustische Qualität. Bei der Fassade hätte sich die Jury mehr Transparenz gewünscht.
Umbau des Kreissparkassengebäudes zur Stadthalle Boppard
Bauherr: Stadt Boppard
Architekt Rainer Pörsch + Planungsgruppe 4, Boppard
Foto: Gerlinde Wolf, Schwall bei Emmelshausen